Grittibänz backen und Weihnachtswanderung mit den Eseli 2011

Eseli und Backen versüssen das Warten

KERNS Vor der Weihnachtsfeier daheim bot der Erlebnisbauernhof Weid
kurzweilige Stunden. Die Kinder backten Grittibänzen und ritten mit dem Esel aus.

erschienen in der Neue Obwaldner Zeitung vom 27. Dezember 2011 / Nr. 298
Bea Zai, redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Kinder haben eines gemeinsam: Sie können es kaum erwaten, bis am Heiligen Abend Christbaum und Krippe im Lichtermeer erstrahlt und schön verpackte Geschenklein für alle bereitstehen. Wie um Himmels willen die Stunden des Wartens überbrücken?, fragen sich jedes Jahr geplagte Eltern. In ein Kino hocken oder die Füsse vertreten findet kaum Anklang, und die Idee im Garten gemeinsam einen Schneemann zu bauen, war heuer mangels weisser Pracht nicht zu verwirklichen.
Da kam die Offerte der Familie Spichtig, die oberhalb Kerns Richtung St. Niklausen neben der Landwirtschaft den weit herum bekannten Erlebnisbauernhof Weid betreibt, gerade recht. Grittibänz backen und Eseli reiten ist von rund 20 Kindern mit ihren Eltern oder einem Elternteil begeistert aufgenommen worden.

Lange gedulden musste man sich nicht. Mutter Lisbeth Spichtig und Schwiegertochter Edith verteilten Teigstücke. Rosinen, Sultaninen und Scheren lagen bereit. Nach einer kurzen Einführung - ein Grittibänz hat zwei gespreizte Beine, einen dicken Bauch, kleine Arme und ein Mondgesicht - begann das überaus lustige Abenteuer. Während Erwachsene ihren Spass hatten, konzentrierten sich die Kleinen auf Beine, Arme, Augen aus Sultaninen und Nasenlöcher aus Rosinen, Patrick kämpfte so lange mit der Schere, bis er entnervt ausrief: "Jetzt will ich einen Schneemann machen." Und was machst du nachher daheim?, wollten wir wissen. "Also, dann gehe ich mit Dädi in den Gaden und hirte die Geissen. Und vom Christkind wünsch ich mir eine Siloballenpresse." Man darf dreimal raten, was Patrick werden will: Bauer natürlich. Leonie, die von ihren Eltern und der Oma aus Deutschland begleitet war, schenkte den Grittibänz am Schluss ihrer geliebten Grossmutter.

Die Kinder durften miterleben, wie ihre vielleicht 50 Grittibänzen im grossen Holzofen, der sonst für Pizzas, Gratins, Brot und mehr benutzt wird, verwschwanden. Vater Toni Spichtig erklärte den wissbegierigen Kindern, dass dafür die Schamottsteine rund vier Stunden vorgeheizt werden. "Die ideale Backtemperatur für Grittibänzen beträgt 280 Grad. Während der halben Stunde Backzeit unternehmen wir jetzt mit den Eseln Mini und Fritzli sowie dem Maultier Panja eine Wanderung." Ein Hurragebrüll war die Antwort.
Vater Toni, jezt in der ihm geläufigen Säumermontur, führte die lange Karawane an. Toni und Sohn Hansueli begleiten jeweils die bekannten Säumerzüge mit ihren Tieren ins italienische Eschental. Abwechslungsweise durften die Kinder hoch zu Esel sitzen, was gewaltig Feude machte, aber auch Respekt hervorrief.
Als der sonst friedliche, schwarze Hofhund Chico dem Maultier, aus welchen Gründen auch immer, schnell ins Bein biss und das Tier losrannte, bracht das kleine Missgeschick die Kinder nicht aus der Ruhe. Im Gegenteil, sie lachten und machten sich fröhlich auf den Heimweg. Dort angekommen, stand heisses Getränk auf den langen Tischen, und alle konnten ihre goldbraun gebackenen Grittibänzen mit dem feinen Holzofengeschmack im Empfang nehmen und nach Lust und Laune zubeissen. Man biss ins richtige Gebäck, hatte man es doch vor dem Backen mit einem beschrifteten Schwiezerfähnli bestückt. Vor allem Vätter hatten am lustigen Geschen riesig Freude, und sie wünschen sich unisono, dass ihnen auch im nächsten Jahr die grosse Weidfamilie das lange Warten auf die Ankunft des Christkinds verkürzt.